K wie Kühe

Schon als ich noch klitzeklein war…

… habe ich alle Wände, Türen, Türpfosten, Tapeten, Buchseiten, Zeitungsränder, Klopapierhalter und so endlos vieles mehr mit den drei magischen Buchstaben bekritzelt:

M U H !

Der eigentliche Auslöser des Ganzen liegt ziemlich im Dunklen, ich kann mich aber noch schemenhaft an ein Buch über die Entwicklung der Kuhhaltung in der DDR in den 50er Jahren erinnern, welches ich in Ermangelung andere Lektüre irgendwann mal heimlich auf dem Klo gelesen hatte.

Diese Kuh-Manie war natürlich sehr zur Freude meiner Eltern, die heute noch davon profitieren, diese Geschichten jedem Bekannten in allen erdenklichen Auschmückungsformen auf die Nase zu binden. Wenn Sie die Geschichte wenigstens ein einziges Mal so erzählen könnten, dass ich gut dabei wegkomme, als Kuh-van-Gogh oder Kuh-Picasso – aber nein, ich werde natürlich als der sinnloses Zeug kritzelnde kleine Schmierfink hingestellt. Dabei war das alles…

… der Beginn einer großen Leidenschaft…

… nur das ahnte damals noch keiner. Nichtmal ich! Und das will schon was heißen, denn ich ahne ne ganze Menge wenn der Tag lang ist.

Irgendwann reichte mir die simple alphanumerische Darstellung meiner innersten Gefühle allerdings nicht mehr, durch eine glücklich Fügung (von glücklichen Kühen?) entdeckte ich bei meiner Oma ein hornaltes halbzerfetztes Buch: „Zeichnen leicht gemacht“. Hier wurde selbst für mich, den künstlerisch völlig unbegabten Möchtegern-Vulkanier der Computer mehr liebt als seine Mitmenschen, das Malen eines stilisierten Kuhkopfes verständlich dargelegt. Mit Schritt-für-Schritt-Anleitung und allsowas. Faszinierend!

Nun kritzelte ich also neben „Muh!“ in allen Formen auch noch diese Kuhnischel überallhin. Leider half das aber nicht gegen…

… das zunehmende Älterwerden…

und so wichtige Ereignisse wie ein Studium anfangen und doch nie beenden, eine Familie gründen und wieder auflösen, einen Kuh-lturverein leiten und – nein, stopp, den gibt es noch. Andererseits half das Älterwerden auch nicht gegen den Kuhfimmel, den einige selbsternannte Möchtegern-Freuds mit den Worten kommentierten:

DU BIST DOCH TOTAL KUHFIXIERT!

Ja, das ist es wohl. Obwohl es anfangs gut aussah. All diese Dinge lenkten mich von meiner Kuhsucht ab. Ich bekritzelte keine Buchränder mehr, meine im Schweiße meines Angesichts selbst angebrachten Tapeten schon gar nicht, und wie man diesen Kuhkopf zeichnet hatte ich fast schon vergessen, mein Leben war wieder ganz normal, ja geradezu un-KUH-l, als eines Tages die Versuchung in Form eines simplen Farbeimers in der Hand meiner Schwester an mich heranschlich und ich erkennen musste …

… es gab kein Entrinnen!

Eigentlich wollten wir nur die Bürowand neu streichen, als sie die folgenschwere Frage stellte: „Was hältst du davon, wenn wir die Wand mit Kuhmuster versehen?“ K… da war doch noch was… Ku… irgendetwas längst vergessenes … Kuh … es drängte ans düstere Licht des Büros auf dem Dachboden …

KUH!!!

Ja, da war es wieder! Ohne dass ich etwas tun konnte war ich sofort Feuer und Flamme für diese Idee, beim malen der Kuhflecken fühlte ich mich großartig, die ganze jahrelang verdrängte KUH-lness überwältigte mich und ich hatte nicht den Hauch einer Chance, zu widerstehen.

Da ich inzwischen von 17jährigen Jungs gesiezt werde, was wohl ein untrügliches Zeichen dafür ist, dass ich hornalt bin, glaube ich nicht nur, dass es zu spät ist, sich gegen das Kuhfieber zur Wehr zu setzen, nein meine über all die Jahre angesammelte Weisheit macht mich auch glauben, dass es völlig falsch wäre, dem inneren Ruf der Kuh zu widerstehen.

Und so wohne ich heute zwischen kuhfleckig angemalten Möbeln, schreibe diese Geschichte … und fühle mich rundum sau.. errr.. kuhwohl.

In diesem Sinne: MUT ZUM MUH!

(Original veröffentlicht 2007 oder noch früher auf kuh-mist.de)

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Vegan & Katzen

Omnomnom!

Ist es nicht unnatürlich, Katzen vegan zu ernähren?

Ja. Ebenso unnatürlich ist es, daß Katzen aus Dosen essen, und Thunfische oder Rinder gehören (im Gegensatz zu Mäusen oder kleinen Vögeln) auch nicht zur „natürlichen“ Katzennahrung.
Außerdem wird „natürlich“ völlig zu unrecht mit „gut“ gleichgesetzt. Es ist nicht „natürlich“, einen gebrochenen Arm in Gips zu legen oder Computer zu benutzen. Umgekehrt würde kaum jemand Natur-Uran verzehren.

Quelle: http://www.veganismus.de/vegan/faq-vegane-katzen.html

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Pikas in Aspik

Heute gibt es mal ein einfaches Rezept für zwischendurch: Pikas in Aspik.

Pikas in Aspik

Pikas in Aspik

Zutaten für 2 Personen:

  • 1 Rommé-Spiel
  • 1 Tüte Gelierzeugs

Zubereitung:

Das Gelierzeugs nach Packungsanweisung zubereiten und etwas abkühlen lassen. Hälfte davon als Schicht in eine passende Form füllen, ich hab den Deckel einer Butterdose verwendet. Im Kühlschrank fest werden lassen. In der Zwischenzeit die Pikasse (Pikässer?) aus dem Kartenspiel heraussuchen, Rest wegwerfen. Form aus dem Kühlschrank nehmen, Karten mit der Rückseite nach oben auflegen, mit dem Rest Gelierzeugs begießen. Zurück in den Kühlschrank damit. Dass die Karten sich biegen, gibt dem Ganzen einen künstlerischen Anstrich. Wer’s nicht mag, muss sich was einfallen lassen.

Zum Servieren nach belieben garnieren.

Sind keine Spielkarten im Haus, können alternativ auch Pikachus verwendet werden.

PS: Mit der neuen Rechtschreibung wär’s einfach nicht so schön.

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Wie man aus einer Mücke einen Kater macht

Mücken sind mir eigentlich ziemlich egal. Ich lebe ja schließlich in einer Großstadt und nicht in einem Sumpfgebiet. Und das bisschen Blut – wenn sich das Tier schon die Mühe macht, auf Höhe des 11. Stocks rumzuschwirren, hat es sich die Stärkung verdient. Ja, Mücken sind mir ziemlich egal. Außer: Nachts.

„Ssssssssssssssssssssssssssssssss“. DAS geht gar nicht. Man liegt gemütlich im Bett, zählt Schäfchen: 28, 29, „Sssssssssssssssssssssssssssssssss“. Aufspringen, Licht an, Brille suchen. Irgendwo muss sie doch sein. Ist sie aber nicht. Nach 15 Minuten erfolgloser Suche gibt man auf. Neue Schafherde. 14, 15, „Sssssssssssssssssssssssssssssssssss“. ARGH! Licht, Brille, Suchen. Nichts. Wie vom Erdboden verschluckt. Müde, naja, vielleicht schafft man es ja, einzuschlafen, bevor sie wiederkommt. „Ssssssssssssssssssssssssssss.“ Hier kommt nun der Moment wo einen das Jagdfieber packt. Man streift stundenlang mit der Fliegenklatsche in der Hand durch das Zimmer, versucht kleine Lichtkegel zu projizieren um das Biest anzulocken, naja, all das eben.

Gestern war ich auch wieder an diesem Punkt. „Sssssssssssssssssssssssssssssss“. Frustriert durchstöberte ich das Internet nach einem wirksamen Mittel. „Katzenminze“, stand da, „Katzenminze wirkt ausgezeichnet gegen Mücken, auch als ätherisches Öl.“ Prima, dachte ich mir, davon habe ich ja noch ein ganzes Fläschchen. War übrig geblieben von einem ominösen Spielzeug aus dem Baumarkt, das weder mit noch ohne Tropfen bei meiner Miez ankam. „Einfach ein paar Tropfen auf das Kopfkissen und Sie haben Ruhe vor Mücken.“ Klang fantastisch! Ein wenig „Kitty minzie“ (sic!) hier und da und schon konnte ich mich entspannt in mein Bett kuscheln. Hach, endlich. Schaf 32, 33, 3… „Sssssssssssssssssssssssssssssssss“. NEIN!

Naja, wäre ja auch zu schön gewesen. Never trust the Net. Frustriert griff ich mir meinen Kater und erklärte ihm in einem 4-Augen-Gespräch eindringlich, dass auch Nachts das Mücken-Fangen zu seinem Deal als Haustier gehört und er nicht einfach faul rumliegen kann, während das kleine Stechvieh mich traktiert. Noch während ich versuchte, ihm die Dringlichkeit der Lage zu erläutern, fing er plötzlich an zu schnuppern – nur um sich Sekunden später schwungvoll auf mein Kopfkissen zu werfen und sich mit sehr seltsamen gurgelnden Geräuschen darauf herumzuwälzen. Was zur Hölle…? Der Kater maunzte und gluckste und schnurrte, rollte sich abwechselnd auf meinem Kissen herum oder leckte es sorgsam ab. Versuchte ich, den dicken Brocken weg zu ziehen, krallte er sich mit aller Kraft fest. Kitty minzie. Offenbar wie Whisky, wird erst gut abgelagert interessant.

Nun, meine Hoffnung, das Tier würde sich nach ein paar Minuten beruhigen, blieb unerfüllt. Statt einer leise summenden Mücke hatte ich nun einen wilden Kater, mit dem ich den Rest der Nacht um mein Kopfkissen kämpfte. Super Sache. Ach ja, die Mücke ist übrigens nicht nochmal aufgetaucht. Also – hat es ja eigentlich doch funktioniert. :)

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Schock dein Kind – geh zur Buchmesse!

Wie in jedem Jahr plante mein Nachwuchs auch diesmal wieder monatelang eifrig für seinen Ausflug zur Leipziger Buchmesse (natürlich wie immer anstatt sich um Schulkram zu kümmern *seufz*). Inzwischen ist es schon fast Traditionen, dass die „Kleinen“ einen Tag dort hin fahren und sich in putzigen, aus Manga entlehnten Klamotten zum Affen machen. Samstag der 15.3. sollte es sein. Wir hatten diesmal wieder Besuch – eine Internetfreundin von Anne durfte mit zur Buchmesse. Erstes Treffen und so, wirklich süß. Da sich nur noch zwei weitere Freundinnen als Begleitung fanden, war auf dem Thüringen-Ticket noch ein Platz frei. So entschied ich mich, mir das Ganze auch mal anzutun. Ohne Verkleidung, natürlich. Wobei ich bei meinem normalen Aufzug vermutlich als Cosplayer durchgegangen wäre…

Der Tag begann furchtbar. Aufstehen um 6 Uhr! Und das zum Samstag. Nach einem erbitterten Kampf ums Bad und 3x umziehen machten wir uns auf den endlos weiten Weg zum Bahnhof. Den, den mein Töchterlein jeden Morgen und jeden Nachmittag laufen muss. Respekt! Der Fahrkartenautomat zeigte sich überraschend kooperativ, nachdem er noch am Vortag felsenfest behauptet hatte, meine Kreditkarten seien alle ungültig. Also ab in den Bummelzug. Der Zugbegleiter war entweder noch vom Vortag besoffen oder auch noch nicht richtig ausgeschlafen, jedenfalls kippte er beim „Lochen“ unserer Fahrkarte in die gegenüberliegende Sitzreihe. Leider war ich für Mitleid noch zu müde.

Eine Station weiter stiegen die beiden Freundinnen zu. Dann durften wir uns über eine halbe Stunde in Gera auf dem Bahnhof langweilen. Erinnerungen an alte Zeiten stiegen hoch, als ich noch jedes Wochenende aus dem Internat in Jena über Gera nach Hause gefahren bin. Im Zug von Gera nach Leipzig war schon nix mehr mit Sitzplätzen. Für die Kleinen. Ich hatte einen. Zwischen lauter Hortleiterinnen – wie meine Mama ja auch mal eine war. Sehr interessante Gespräche, besonders die Diskussion, ob die Kleinen im Hort nun Mittagsschlaf halten sollten oder nicht… Schlaf… ja… das wär schön gewesen… dabei hatte der Tag doch gerade erst angefangen und das Schlimmste stand mir noch bevor!

In Leipzig am Hauptbahnhof noch einmal den Zug gewechselt und wir waren angekommen. Irgendwer hatte die glorreiche Idee, vor allen anderen aus dem Zug am Messegelände sein zu wollen, damit die Wartezeit an der Kasse nicht so lang ist. Und das bei meiner Kondition, argh! Als wir ankamen konnte ich mich nicht entscheiden, was ich dringender brauchte: ein Bett oder ein Sauerstoffzelt. Da es dem Nachwuchs offenbar lieber war, ohne „Aufsicht“ durch die Hallen zu ziehen, legte er drinnen das gleiche Tempo vor wie draußen, so dass ich nach wenigen Treppenstufen aufgab und beschloss, allein und in aller Ruhe das Areal zu erkunden.

Da ich wusste, dass eine Freundin mit einem Stand ihres Verlages auf der Messe vertreten war, aber nicht wusste wo, beäugte ich zunächst ausgiebig den Lageplan. Halle 5 schien mir der logischste Ort, Halle 3 war aber näher, also fing ich dort an. Um nicht umzukippen und einzuschlafen legte ich mir einen Schlachtplan zurecht, den ich dann einfach abarbeitete: in der Halle ganz nach rechts, dann den Gang nach hinten, dann einen Gang nach links und diesen nach vorn, dann wieder eins weiter nach links… und dabei immer schön in die kurzen Quergänge schauen. Nicht, dass ich etwas verpasst hätte, wenn ich das nicht getan hätte. Es gab eigentlich nichts wirklich Spannendes zu sehen. Halt so Bücher über alles und jeden. Naja, Buchmesse eben. Das einzig Interessante war der riesige Hörbuchbereich.

Nachdem ich Halle 3 erfolgreich abgearbeitet hatte, tappte ich zu Halle 5. Also, wieder ganz nach rechts, und den Gang nach hinten – und da fand ich ihn auch schon, den Stand vom Macchiato-Verlag. Ich hielt ein nettes Pläuschchen mit meiner Freundin und setzte dann, inzwischen einigermaßen munter geworden, meinen Weg durch die Halle fort. Es war hier deutlich langweiliger als in Halle 3, irgendwie. Immerhin fand ich eine Ankündigung für eine Lesung mit Herrmann Kant, die um 13:00 Uhr stattfinden sollte, na das war doch mal was. Den wollte ich ja schon immer mal sehen. Seine Bücher waren zu DDR-Zeiten Kult und ich erinnere mich noch, wie sauer ich war, dass sich irgendwer „Der 3. Nagel“ ausgeliehen aber nie zurückgegeben hatte, wo man an die Bücher doch so schlecht rankam. Nix Amazon damals! Ein interessantes Buch möchte ich noch erwähnen, über das ich in Halle 5 gestolpert bin – eigentlich das einzige, was ich auf der ganzen Messe wirklich toll fand: „Ideen visualisieren“ vom Schmidt-Verlag Mainz.

Bisher hatte ich für jede Halle ungefähr 1 Stunde gebraucht – relativ uncool bei 9h Messe und nur 4 Hallen. Nun, vielleicht kam ja noch was Spannendes wo ich mich länger aufhalten konnte. Weiter ging es also in Halle 4. Hier gab es zu meiner Enttäuschung allerdings absolut gar nichts Interessantes. An Büchern zumindest. Dafür zog ein riesiger Menschenauflauf meine Aufmerksamkeit auf sich. Klein wie ich bin, konnte ich allerdings erstmal nichts sehen. Das lag aber auch daran, das das Objekt, um das sich der Auflauf gebildet hatte, ebenfalls recht klein war. Und es sah aus wie Horst Köhler, unser Staatsoberhaupt – uiui! Dass die Leute um ihn herum zu 50% Security waren, legte nahe, dass er es auch tatsächlich war. Er stand da und plauderte. Dann passierte etwas witziges: Die Security-Leute liefen im Dreieck (so wie Kraniche fliegen) los und schoben dabei freundlich aber bestimmt alle beiseite, die im Weg standen. So legten sie über 2 Quergänge zurück – nur um dann festzustellen, dass sie irgendwie allein waren. Herr Köhler stand immer noch da und plauderte. Hihi! Also hetzten sie rasch zurück und ein unglaublich wichtig aussehender Typ redete auf den Bundespräsidenten ein, der sich daraufhin schließlich los riss und doch noch mitkam. Ich schlenderte weiter und lief einer Hostess in die Arme, die eine Umfrage zur Messe durchführte. Ich ließ mich breitschlagen und beantwortete am Computer brav so sinnlose Fragen wie: „Wie ist ihre Postleitzahl?“, „Aus welchem Bundesland kommen Sie?“ (Hä? das sieht man doch an der Postleitzahl!), „Wie weit weg von Leipzig wohnen Sie?“ (Das auch!). Wer programmiert denn sowas?!

Mittlerweile war es 12:30 Uhr und ich kämpfte mich zurück in Halle 5, um die Lesung anzuhören. Kämpfte, ja, denn inzwischen war es auf der Messe derartig voll geworden, dass man nur noch im Schneckentempo vorankam. Grauenvoll! Dazu kam, dass die Planer beim Bau der Glastunnel zwischen den Hallen ja eine optisch wirklich ansprechende Architektur hinbekommen haben, aber in den Dingern wird es bei Sonnenschein einfach nur unerträglich heiß. Natürlich waren auch schon alle Sitzplätze für die Lesung belegt – so zerschlug sich mein Traum von einer angenehmen Ruhepause für die geschundenen Füßchen. Dafür fand ich einen, wie ich glaubte, erstklassigen Stehplatz, mit einer sehr netten älteren Dame neben mir, mit der ich mich wunderbar unterhielt. Dabei erfuhr ich, dass ihr Gatte mit Herrn Kant zur Schule gegangen war und sie deshalb hergekommen war, um ein Foto von ihm zu schießen. Blöderweise stellten sich dann ein paar sozial Minderbemittelte zwischen die Stuhlreihen und die Bühne, so dass keiner mehr etwas sehen, geschweige denn fotografieren konnte. Zum Glück standen wir aber genau neben dem Tisch, an dem Hermann Kant später noch Autogramme gab, so dass ich für die Dame ein wenig Platz machen ließ und sie mit einem hervorragenden Schnappschuss doch noch glücklich wurde. Die Lesung – eigentlich ein Interview zum Buch „Die Sache und die Sachen“, dass Irmtraud Gutschke über Hermann Kant geschrieben hat – war mein persönliches Messe-Highlight.

Nach der Lesung beschloss ich, eine Pause einzulegen, und setzte mich ein wenig in die Sonne. Großer Fehler! Es kostet unglaubliche Überwindung, von dort wieder aufzustehen. Ich musste mich förmlich zwingen, danach einen Fuß vor den anderen zu setzen. So schleppte ich mich schließlich in Halle 5, die letzte Halle der Buchmesse. Hier war auch das Comic-Paradies angesiedelt. Nach den kaputten Füßen wurde hier nun auch noch meine Augen ruiniert – pink kostümierte Cosplayer überall. Vielleicht sollte ich dazusagen: Mein Töchterlein war auch in Pink unterwegs. Und tatsächlich traf ich es auch mehrfach in der Halle. Ich zog also wieder meinen üblichen Pfad entlang. Zwar rissen mich die Stände hier auch nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hin, aber immerhin war es weit weniger langweilig als in den Hallen zuvor. Alles schön bunt und so. Und unzählige Stände an denen man Manga-Kram kaufen konnte. Herrlich! Äh, nein, ich hab nichts gekauft. Aber es waren witzige Sachen dabei. An einem Gemeinschaftsstand stellten Eric Fish und Bodenski von Subway to Sally ihr neu erschienenes Storybook vor und signierten auch. Dummerweise waren die Bücher viel zu schnell alle, aber egal. Wenn ich eins genug habe, sind es Autogramme von Subway – so what!

Mittlerweile war es fast 17 Uhr und ich hatte alles, aber auch wirklich alles durch. Wir wollten uns gegen 19 Uhr in Halle 5 zum Konzert von Herrn Hechts Band mit Gedichtvortrag von Bodenski treffen. Schon jetzt, 2 Stunden vorher, waren dort aber alle Plätze besetzt. Na toll. Ich schleppte mich zurück in Halle 3, um noch einmal die Hörbuchsektion genauer zu inspizieren. Ich hatte bei meinem ersten Besuch dort so schöne große Sessel gesehen, in denen man gemütlich mit fetten Kopfhörern Büchern lauschen konnte – doch auch nach 5 Runden konnte ich diesen Stand nicht wiederfinden. Es gab zwar auch noch kleinere Sessel, aber die waren alle besetzt und ich war mittlerweile so fertig, dass ich für einen Sprint auf einen freigewordenen Sitzplatz keine Kraft mehr hatte. Also lief ich weiter, immer im Kreis… bloß nicht setzen – sicher würde ich nie wieder aufstehen können! Ich fand einen halbvollen Wasserspender, aber ohne Becher. Oh welche Qual! Doch dann, 2 Runden später, fand ich einen leeren Wasserspender – mit Bechern! Ich erbeutete einen und kämpfte mich mit letzter Kraft zu dem anderen Automaten zurück… Hurra. Endlich etwas zu trinken. Ich beschloss, mich nun doch niederzulassen, und suchte mir eine kleine Holzbank an einer Hörbuchsäule mit Kopfhörern. Ich lauschte den ersten 4 Kapiteln eines Buches, dessen Namen ich vergessen habe. Es ging um eine Frau, die verlassen wurde, und sich immer den Moment des Wiedertreffens mit dem Ex ausgemalt hat, wie sie ihn fertig machen würde und so, und dann trifft sie ihn unerwartet im Supermarkt an der Fischtheke. Oder war es die Gemüsetheke? Immerhin taten mir nun auch meine Ohren voll weh.

Völlig geschunden, aber immerhin nicht mehr durstig, schlufte ich zurück in Halle 5, um nach meinem kleinen Monster Ausschau zu halten. Wir fanden uns und beschlossen, uns das Konzert nicht mehr anzutun, sondern gleich nach Hause zu fahren. Ich quälte mein Handy mit der Suche nach einer Bahnverbindung – echt grausam langsam das Ganze. Als es dann schließlich eine ausspuckte, war der Zug weg. Wir machten uns also gemächlich auf zum Bahnhof und schossen auf dem Weg noch ein Abschiedsfoto von der Messe:

Der Bahnsteig war total überfüllt, aber glücklichweise wanderten viele Leute auf einen anderen Bahnsteig ab, nachdem jemand meinte, der Zug würde dort fahren. Tja, blöd wenn man nicht selbst Fahrplan lesen kann! Im Leipziger Hauptbahnhof hatten wir wieder 30 Minuten Aufenthalt, ich nutze die Zeit um 3 Big-Mac-Maxi-Menüs zu erbeuten. Blöderweise war der Zug schon viel früher da als erwartet und viele waren schon eingestiegen – so blieben uns nur Sitzplätze auf dem Fußboden vorm Klo. Auf mysteriöse Weise leerte sich der Zug jedoch nach der Hälfte der Strecke bei einem Halt in einem Nest namens Pegau. Vermutlich war das so eine Art organisierter Dorfausflug zur Messe? Wir werden es nie erfahren. In Gera war der Anschlusszug so nett, trotz unserer 10 Minuten Verspätung zu warten, was wir echt toll fanden, die Leute im Zug allerdings nicht so. In Göschwitz angekommen versuchte ich mich nochmal am Fahrkartenautomaten. Der war wohl allerdings der Meinung, dass ich ihn heute schon genug angefummelt habe und erklärte mir wieder, meine Kreditkarten seien ungültig. Ich versuchte es bestimmt 10 mal. Er blieb hart. Mist. Also stopfte ich 16 10-Cent-Stücke in den Schlitz. Das kostete mich dann den Rest meines Verstandes. Ich weiß nicht mehr, wie ich nach Hause gekommen bin. Vielleicht haben Anne und ihre Freundin mich getragen oder irgendwie gezerrt…

Alles in allem war es ein unglaublich stressiger Tag, von dem ich am Ende nicht allzu viel mitgenommen habe. Es war zwar schon spannend, mal eine Buchmesse erlebt zu haben, aber ich werde mir das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nochmal antun. Oh, ja, fast vergessen, ich habe mir doch eine Liste der „Promis“ gemacht, die ich auf der Messe gesehen und erkannt habe. Das ist doch gleich ein guter Abschluss für diesen ewig langen Bericht, den sicher eh keine Sau je durchlesen wird:

  • Gunter Schoß (das Birnbäumchen aus „Rächer, Retter und Rapiere“)
  • Heiner Brand (Handball-Nationaltrainer, im MDR-Interview)
  • Gerhard Schöne (beim Autogramme geben am Eulenspiegel-Stand)
  • Dieter Moor (der mich gleich 2 Mal über den Haufen gerannt hat)
  • Horst Köhler (mit seiner Transrapid-Security)
  • Hermann Kant (bei einer Lesung)
  • Reiner Schwalme (einsam am Autogrammstand – keiner wollte eins)
  • Christian Brückner (Synchronstimme von Robert De Niro und Dennis Hopper)
  • Domian (Waaah *schauder* – dass mir das nicht erspart bleiben konnte)
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Verwirrte Fluggeschosse

Ich wollte doch noch meine fette Beute von letztem Freitag präsentieren. Also Freitag der 30.11. Der FCC spielte daheim gegen FC Erzgebirge Aue (Vereinsfarbe LILA *schauder*) und das ausgefallene Subway to Sally-Konzert in Erfurt wurde nachgeholt. Da mein Schwesterlein Jusch die Vorband eh nicht sehen wollte, passte das zeitlich perfekt. Der blöde Virus, der mich am Vortag angefallen hatte, konnte mich nicht aufhalten. Ob man nun von der Erkältung, dem Jubeln beim Fußball oder dem Mitschreien auf’m Konzert heiser ist, spielt ja auch keine Rolle.

Also schön eingemummelt und ins Stadion getapst. Mein erstes Mal ganz allein! Ich hatte eine prima Aussicht von meinem Sitzplatz oben in Block J, da ich erfolgreich alle, die sich vor mich pflanzen wollten, verscheuchen konnte. Der FCC spielte in meiner Traum-Aufstellung: Ziege und Simak gemeinsam im Mittelfeld. Endlich mal! Brachte aber leider nicht viel, da die wenigen guten Pässe keine Abnehmer fanden. In der 8. Minute wurde ein Erzgebirgler im Strafraum fachgerecht gefällt und Schiri Gagelmann aus Bremen zeigte auf den Punkt. Kraus‘ putziges Gehüpfe machte die lila Kuh leider nicht so nervös wie geplant und wir lagen mal wieder mit 0:1 zurück, bevor die erste Viertelstunde um war. Oberdoppelriesenmist. Irgendwie kriegten die Veilchen nun ständig den Ball, selbst bei ner Gruppe aus 3 x weiß und 1 x lila fing ein Sachse die Kugel ab. Ich begann mich zu fragen, ob unsere Spieler vielleicht allesamt farbenblind waren, und wir nicht besser künftig in den geringelten Traditionstrikots spielen sollten, um uns von den Gegnern optisch abzuheben – gegen Nürnberg hat’s funktioniert. Andererseits spielen die „Raachermannel“ normalerweise auswärts in weiß – da konnte man ja die Hoffnung hegen, dass ein Auer aus Versehen mal einen weißen von uns anspielen würde…

In der Halbzeit gönnte ich mir eine verbrannte und kalte Bratwurst, was meine Laune nicht gerade verbesserte. Naja, think positive, es hat auch Vorteile wenn man in der Kälte seinen Fanschal um den Hals behalten kann, statt ihn euphorisch rumschwenken zu müssen.

In Halbzeit 2 agierte das Bergvolk etwas schläfriger, was immerhin den Eindruck vortäuschte, als wäre Jena nun aktiver. Zeitweise glich das Spiel einem Eishockeyturnier – wildes Schlittern, wie schon die letzten Male. Es gab durchaus ein paar sehenswerte Szenen, zum Beispiel als Ziege und Simak synchron auf den Ball zustürmten und traten – der Ball blieb wo er war, nur der arme Erzgebirgler, der als Puffer gedient hatte, rannte panisch davon. Costas motze das Schiriteam filmreif nach einem falsch gegebenen Einwurf an – südländisches Temperament pur, wurde auch prompt mit Gelb belohnt. 20 Minuten vor Schluss eine Ecke, die Simak so trat, dass ich mich kurzzeitig fragte, für welche Mannschaft er spielt – gefolgt von einem dumpfen PLOPP. Das Spielgerät konnte das Grauen nicht mehr mit ansehen und platzte einfach. Offenbar war der Knall auf dem Spielfeld recht laut gewesen, denn der FCC wachte plötzlich auf. Einwechslung Petersen, Ausgleich durch Petersen, nun sind wir mit Brüllen dran: „Hier regiert der FCC!“ Jena drückt, von Aue ist bis auf 3 Einwechslungen nix mehr zu sehen. Eine Ecke nach der anderen, wie immer leider nur drüber, daneben, vorbei, doch dann eine Minute vor Schluss ein Volltreffer: Ein Veilchen erwischt präzise die Beine von unserem Gulasch – mitten im Strafraum. Der 2. Elfer, genau vor meiner Nase – aber diesmal für uns! Ich fordere per Handy Verstärkung an, wir drücken die Daumen so fest es geht – und mein Schwesterchen bekommt so den Siegtreffer quasi live mit. Nun heisst es Nachspielzeit abzittern. Der Schiri pfeift – Aufspringen – nein doch noch kein Schlusspfiff, nur ’ne Gelbe für Ziege, der zum Torknuddeln auf Feld gerannt kam, obwohl er schon ausgewechselt war – weiterzittern – da endlich. Schluss! Sieg! „Nur der FCC!“

WIR HABEN GEWONNEN! Kaum zu fassen. Nach der langweiligen 1. Halbzeit hat damit wohl keiner mehr gerechnet. Auch gut zu wissen, dass wir gegen Spielende noch aufdrehen können, nicht wie letzte Saison, wo wir zu der Zeit quasi schon im konditionellen Koma agierten. Hier geht’s zum Kopfnuss Bericht.
Mein persönlicher Favorit in diesem Spiel war: der Ball. Nachdem er über lange Strecken immer zur falschen Farbe rollte, sah er seinen Fehler doch noch ein und zog die einzig akzeptable Konsequenz: Selbstzerstörung – und machte damit den Weg frei zum Sieg.

Damit zu Teil 2 des Abends: Schnell zur Bahn gehetzt, Kind eingesammelt, mit Klee auf Jusch gewartet und ab nach Erfurt. Die Vorband war schon fertig als wir ankamen – wie ich später erfahre unser Glück, denn sie soll abgrundtief grottig gewesen sein. Der Saal war nur halbvoll, aber Platz ist ja immer gut. Wir postierten uns links vor der Bühne, wie immer. Jede Menge Nebel und miese Akustik, aber wen juckt’s, wir wussten ja wie es klingen und aussehen sollte und außerdem hat der FCC gewonnen. Doch was war das? Das Publikum stand nur rum, maximal den rechten Arm hochgestreckt, und mit dem Kopf im Takt nickend. Keiner der rumhüpft? Da wir mit unseren 1,60 m nicht so den Überblick hatten, boxten wir uns zur Mitte durch. Ich zeig euch mal, was man bei der Größe so von der Band sieht:

Doch auch hier wollte offenbar keiner Spaß haben. Fein, waren Jusch und ich also die einzigen, die rumsprangen. Wir ernteten bitterböse Blicke von den umstehenden Durchschnitts-Kerlen, die Angst hatten, wir könnten die Frisur ihrer Freundin ruinieren. Was dachten die denn, wo sie sind? Beim Musikantenstadl? Seit wann stellt man sich mitten rein wenn man „nur gucken“ will? Wir ließen uns von den Langweilern um uns herum nicht stören und hüpften und sprangen eben fröhlich zu zweit herum. Gegen Ende wurden sogar hinter uns noch ein paar Kerlchen munter und zogen mit. Aber ehrlich gesagt kamen wir uns vor wie im falschen Film. Die Meute um uns herum war wie ferngesteuert. Sobald die Meister auf der Bühne klatschen oder hüpften, machten alle mit… aber auch nur bis zum nächsten Rhythmuswechsel. Dann war wieder maximal Arm ausstrecken und Kopf schütteln angesagt. Den Subways machte das so offensichtlich auch nicht allzuviel Spaß, sie zogen ihr Programm inklusive der obligatorischen 2 Zugaben recht emotionslos durch.

Am Ende warf Simon wie gewöhnlich seine (sogar signierten) Drumsticks ins Publikum, leider war ich gerade irgendwie abgelenkt und glotzte auf den Fußboden… BOING! Gut, dass ich die Brille noch gegen Kontaktlinsen ausgetauscht hatte! Volltreffer, mitten auf’m Kopf. Der Stab klapperte auf den Boden, und geistesgegenwärtig packte ich meinen stahlkappenstiefelbewehrten Fuß drauf. Es gab tatsächlich noch ein paar Todesmutige, die sich trauten, nach dem Stick zu greifen – aber spätestens als ich einen davon, noch im Schmerzrausch, wütend anfauchte, gaben sie sich geschlagen und überließen mir die fette Beute:

Alles in allem also ein ganz netter Tag. Sollte ich öfters machen…

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Am Anfang war das Wort…

Alle haben einen Blog. Also wollte ich auch einen. Wollte ich schon länger, um genau zu sein, aber es war nun mal eine dieser Sachen, die hervorragend zum vor-sich-Herschieben geeignet sind, das musste ich ausnutzen. Da war zunächst die Suche nach dem Namen – gut, den hatte ich irgendwann, kurz darauf auch die Domain, aber da war noch das leidige Thema „Design“. Sollte ich … oder vielleicht … oder doch lieber…? Der Zettelstapel mit „Dingen die unbedingt in den Blog müssen“ wuchs und wuchs.

Vor kurzem zog dann eine Beratungsschildkröte bei mir ein. Sie lachte mich aus und fing an, meine Zettel zu fressen. „Fang halt an mit schreiben“ nuschelte sie zwischen zwei Happen, „und mach das Design dann nebenher.“ Konnte ich es wagen, den Ratschlag einer so erfahrenen und weit gereisten Kröte in den Wind zu schlagen? NEIN!

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